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Zeitgemäße
Operative Verfahren bei chronischen
Nasen und Nasen-Nebenhöhlen Erkrankungen
Dr. Thomas Mihatsch
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Eine optimale Sportausübung
ist nur mit einer intakten Nasen - und Mundatmung möglich. Im
erweiterten Nasenhöhlensystem - Stirn - Kiefer und Siebbeinhöhle
- gibt es chron. Erkrankungsherde, die oftmals subjektiv erst
später verspürt werden und daher der primären Diagnostik entgehen
können. Durch akute und chronische Entzündungen der oberen Atemwege
kann die körperliche Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt werden.
Das Ziel meines Artikels soll zur medizinischen Aufklärung für
interessierte Leser und Sportler weiter beitragen.
Es ist bekannt, daß nicht
jedes Medikament chronischen Schnupfen bzw. eine Nasennebenhöhlenentzündung
auf Dauer beseitigen kann. Im Rahmen der genauen Diagnostik erkennt
der Facharzt oft Ursachen, die für den langen Krankheitsprozeß
verantwortlich sind. Im Volksmund sprechen wir bei Kindern von
den sogenannten Nasenpolypen, die auch als "Adenoide" bezeichnet
werden. Im Erwachsenenalter sind in erster Linie für das Polypenwachstum
im Nebenhöhlenbereich, chronisch allergische Schleimhauterkrankungen
und besondere anatomische Zellformationen im Siebbeinlabyrinth
verantwortlich. Zusätzlich können funktionelle Veränderungen,
wie z.B. eine Nasenbeinfraktur, eine Nasenscheidewandverkrümmung,
eine Nasenmuschelvergrößerung bzw. auch angeborene Formfehler
der Nase eine chronische Entzündung begünstigen.
Da insbesondere bei chronischen
Verlaufsformen die konservativen Therapien nicht immer zum gewünschten
Behandlungsergebnis führen, werden unterstützend operative Eingriffe
im Nasen - und Nasennebenhöhlenbereich hauptsächlich bei Patienten
mit funktionell entzündlichen Beschwerden und typischen bakteriellen
Focuserkrankungen angewandt.
Welche operative Methode
wird heutzutage erfolgreich angewandt?
In der Regel wird endoskopisch durch die bestehenden Nasenöffnungen
operiert. Es entstehen dadurch keine sichtbaren Narben von außen.
Die Technik wird mit Hilfe des Einsatzes von kleinsten Endoskopen,
das sind optische Lichtleitfasern durchgeführt, über die der Operateur
die krankmachenden Polypen und Engstellen sehen kann. Die einzelnen
Polypen werden unter endoskopischer Kontrolle mit kleinen Faßzangen
entfernt und gleichzeitig die Nebenhöhlenöffnungen erweitert,
bzw. neu angelegt. Als wichtigste Orientierungshilfe wird vor
jeder Operation ein Computerbild der Nasennebenhöhlen durchgeführt.
Dadurch kann der Operateur auch die kleinsten pathologischen Veränderungen
erkennen, die früher in einem konventionellen Nasennebenhöhlen
Röntgen nicht sichtbar waren. Die Operationsmethode wird auch
als "minimal invasive Technik" bezeichnet, das heißt, daß nicht
"zerstörend" sondern funktionell druckentlastend operiert werden
kann. Im Falle einer neuerlichen Sinusitis kann der Eiter über
die neu angelegten Öffnungen ungehindert abfließen.
Was sind nun Nasenpolypen?
Nasenpolypen sind in der Regel gutartige Neubildungen von Schleimhäuten,
die in erster Linie durch immer wiederkehrende allergische und
entzündliche Mechanismen entstehen. Das Wachstum ist abhängig
von verschiedenen Faktoren, die derzeit noch wissenschaftlich
untersucht werden. Unter anderem hat man beobachtet, daß bei chronischem
Schmerzmittelgebrauch, wie Antirheumatika und Aspirin ein rascheres
Fortschreiten des Polypenwachstums möglich ist. Andererseits kann
durch manche anatomische Engstellen im Siebbeinlabyrinth eine
polypöse Schleimhauterkrankung begünstigt werden. In weiterer
Folge entstehen unter Umständen beim Wiederauftreten von Sinusitiden
Behinderungen im Sekrettransport aus der Stirn - und Kieferhöhle.
Neuerdings werden auch allergische Pilzinfektionen für das Entstehen
von diffusen Schleimhauterkrankungen verantwortlich gemacht.
Welche subjektiven
Symptome machen Polypen bzw. chron. Entzündungen? Je nach
Lokalisation und Größe können neben einer Störung der Nasenatmung
und Riechfunktion, Kopf - und Kieferschmerzen, Schnarchen und
Mundatmung auftreten. Vereinzelt beobachtet man auch Nackenverspannungen,
Schlafstörungen und vermehrte morgendliche Müdigkeit. Die zuletzt
genannten Symptome sind besonders bei Kindern mit großen Nasenpolypen,
den sogenannten Adenoiden ausgeprägt, was sich im schulischen
Alltag und beim Sport negativ auswirken kann. In diesem Zusammenhang
können auch Mittelohrentzündungen, Tubenpaukenkatarrhe mit Hörminderungen
entstehen. Im fortgeschrittenen Stadium treten unter anderem auch
Nebenhöhlenentzündungen, Zahn, Kiefer und Zungenfehlstellungen
auf, die beim Betreffenden kieferorthopädisch und logopädisch
weiter behandelt werden müssen.
Mit welchen Geräten
wird die Untersuchung durchgeführt - wie wird die Diagnose gesichert?
In der Regel wird nach lokaler Sprayapplikation der Nasenschleimhaut
mit einem leichten Lokalanästhetikum die Untersuchung mit starren
oder flexiblen Endoskopen vorgenommen. Das Einführen des Instrumentes
ist dadurch schmerzfrei, und dauert nur wenige Sekunden. Anhand
eines Monitors wird dem Patienten die Untersuchung genau erklärt.
Mit Hilfe der Videoaufzeichnungen ist auch eine Archivierung der
medizinischen Befunde möglich. Auch bei Kindern ist dieser diagnostische
Eingriff mit entsprechenden Kinderendoskopen möglich. Anschließend
wird mit dem Computer Schichtbild (C.T. - Aufnahme) das operative
Vorgehen besprochen.
Muß eine chron. behinderte
Nasenatmung bzw. Sinusitis immer operiert werden?
Diese Frage ist jeweils ganz individuell abzuklären und hängt
von verschiedensten Faktoren ab, die der Patient immer mit seinem
Arzt besprechen soll. Generell verstecken sich hinter scheinbar
banalen Infekten oftmals chronisch bakterielle Herde, die im Blutbild
nicht immer erkennbar sind, und manchmal auch periphere Organe
wie Herz und Lunge, Niere und Harnwege, oder Muskeln und Gelenke
befallen können. Eine interdisziplinäre Abklärung ist somit unumgänglich
und für den weiteren Behandlungserfolg entscheidend.
Welche Vorteile kann
der Patient durch den operativen Eingriff erwarten? Durch
die Entfernung von erkrankten Schleimhautpolypen bzw. Eiterherden
verbessert sich in der Regel der Sekrettransport bzw. auch die
Nasenatmung und bei Vorerkrankungen der Lunge, unter Umständen
auch die Lungenfunktion. Im weiteren läßt sich auch ein bestehendes
nasales Schnarchgeräusch durch eine Nasenscheidewandoperation
verbessern, was sich vor allem positiv auf den Schlaf - Wach -
Rhythmus auswirkt. Da unsere Nase mit dem Riechorgan eng verbunden
ist, kann in bestimmten Fällen durch die Beseitigung von Polypen
der Geruchsinn verbessert werden. Im Falle von focalen Erkrankungen
mit Auswirkung auf andere Organe bzw. auf unser Immunsystem ist
durch eine Ausheilung des primären Entzündungsherdes auch die
Sekundär Infektion meistens medizinisch beherrschbar.
Ist auch eine Nachbehandlung
notwendig? Ja!
Postoperativ wird eine konsequente Nasenpflege durchgeführt. Zusätzlich
wird der Patient aufgefordert, daß er zu Hause eine weitere Behandlung
fortsetzen soll. (Inhalationen, Nasentropfen u.s.f.). Unterstützt
wird diese Therapie durch eine Verbesserung des körpereigenen
Immunsystems, zeitgemäßer Nahrungsmittel-Ergänzung mitVitamintabletten,
Akupunktur und Eigenblutbehandlungen und auch homöopathischen
Arzneimittelspezialitäten. Eine langfristige Gabe von Antibiotikas
ist nur in Einzelfällen notwendig. Zusammenfassend möchte ich
bemerken, daß der gezielte kritische Einsatz der endoskopischen
Technik ein annähernd natürliches operieren ermöglicht. Somit
kann vielen Patienten mit jahrelangen Beschwerden wirkungsvoll
geholfen werden. Bei ausgedehnten Krankheitsbildern sollen jedoch
auch die Risiken eines operativen Eingriffes exakt abgewogen werden.
Am wichtigsten erscheint mir aber, daß der Patient sein Vertrauen
zum behandelnden Arzt gewinnt, um gemeinsam das gesundheitliche
Problem zu bewältigen.
Begriffserklärungen:
| Sinusitis: |
Nasennebenhöhlenentzündung |
| pathologisch: |
krankhaft |
| Endoskopie: |
mit Lichtquelle und optischem
System ausgestattetes Instrument |
| Computer - Tomographie:
|
CT - Schichtaufnahme Verfahren
mit Hochauflösung zur Darstellung der Knochengrenzen bzw.
zum Erkennen von Weichteilveränderungen. |
| Focuserkrankung: |
bakterieller bzw. viraler Entzündungsherd |
| interdisziplinär: |
zwischen verschiedenen Fachrichtungen
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