|
Die Pulsdiagnose
Die Diagnose des tibetischen Arztes beruht
fast ausschließlich auf der Pulsdiagnose. Die Pulstastung wird so
durchgeführt, daß der Arzt mit seinen mittleren drei Fingern die
Pulse der Arteria radialis am Handgelenk des Patienten tastet. Der
Zeigefinger drückt bis auf die Haut, der Mittelfinger bis zum Fleisch
und der Ringfinger bis zum Knochen. Mit den daumenseitigen bzw.
den kleinfingerseitigen Anteilen seiner Fingerkuppen beurteilt er
die fünf soliden bzw. sechs Hohlorgane, unterscheidet dabei Hitze-
und Kältepulse (Krankheiten) und differenziert nach Körperabschnitten.
Mit der Pulstastung ist eine akkurate, nachprüfbare, effiziente
und billige Diagnostik möglich. Das Krankheitsspektrum, das damit
abgedeckt wird, ist etwa das gleiche, dem sich der im Westen niedergelassene
Arzt gegenüber sieht. Durch den tibetischen Mediziner können aber
auch Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Stoffwechselstörungen,
Krebserkrankungen oder Tuberkulose in verschiedenen Organen ohne
technische Hilfsmittel zumindest qualitativ diagnostiziert werden.
Nur in unklaren Fällen wird auch die Urin-, Zungen-, Muttermilch
oder Augendiagnostik herangezogen. Eine Anamnese wird eher kursorisch
erhoben, eine körperliche Allgemeinuntersuchung findet meist nicht
statt.
|